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Genossenschaftsidee

Burg Trifels im Pfälzerwald

Mit dem Untergang des Römischen Reiches brach die Land- und Wirtschaftsordnung in den germanischen Provinzen zusammen. Es folgte die Lehnsherrschaft, die den Winzer:innen Abhängigkeit und hohe Abgaben aufzwang.

Schloss Saarfels

Seit 100 Jahren erhebt sich mit Schloss Saarfels ein mittelalterlich anmutendes Winzerschloss über der Saar und erzählt von Optimismus und Selbstbewusstsein des deutschen Winzer- und Bürgertums.

Das steinerne Fass der Festung Rheinfels

Um die Garnison der Festung Rheinfels mit Wein zu versorgen, griff Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel zu einer ungewöhnlichen Methode: Ein „steinernes Fass“ sollte sämtliche Weinvorräte fassen können.

Geschichte der Gebinde

Die Verpackung des Weins war im Laufe der Zeit vielen Entwicklungen unterworfen. Allerdings kennzeichnet die Geschichte der sogenannten Gebinde auch eine bemerkenswerte Kontinuität.

Frömmigkeit im Weinberg

Seit der Antike drückten die Winzer:innen ihren Wunsch nach günstiger Ernte in der Anrufung von Gottheiten und Wetterpatron:innen aus.

Die SchUM-Städte und der Wein

Die SchUM-Städte sind seit ihrer Gründung eng mit dem Wein verbunden. Im Mittelalter war der koschere Wein aus Worms weltberühmt; in der Neuzeit prägten jüdische Händler:innen den Mainzer Weinhandel.

Die Hessische Weinbaudomäne

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1868–1937) war der Vater der Hessischen Weinbaudomäne. Seine Absicht war, die Qualität des Weins zu verbessern und einen Musterbetrieb zu schaffen, der den örtlichen Winzern dient.

Die Kupferbergterrasse in Mainz

Die Mainzer Kupferbergkellerei zählt zu den ältesten Schaumweinproduzenten des Landes. Zuvor war es deutschen Einwanderern in der Champagne gelungen, die Herstellung weiterzuentwickeln und einen umfassenden Vertrieb aufzubauen.

Die Kaiserpfalz in Ingelheim

Karl der Große gilt nicht nur als Erneuerer des römischen Kaisertums, als gnadenloser Eroberer sowie Förderer von Bildung und Künsten. Er war sogar der Vater des Weinbaus! Dass Karl I. die Straußwirtschaft erfunden hat, ist jedoch unwahrscheinlich.

Das Deutsche Weinbaumuseum

Das Deutsche Weinbaumuseum in Oppenheim beherbergt eine einzigartige Sammlung zur technischen Entwicklung des Weinbaus und der Weinerzeugung.

Die Liebfrauenmilch aus Worms

Liebfrauenmilch bezeichnete ursprünglich einen hochwertigen Wein aus dem Weingarten der namensgebenden Kirche in Worms. Später entwickelte sich daraus ein allgemeiner Marketing-Begriff für süße Weißweine aus verschiedenen Regionen.

Guntersblumer Kellerweg

Der Kellerweg in Guntersblum zeugt von der einstigen Bedeutung, die Weinkeller in der Region besaßen. Die markanten Keller verweisen auf mehrere historische Weinberufe wie den des Schröters, Visierers oder Küfers.

Weinkultur in Mainz

Die lebhafte Mainzer Weinkultur wurde touristisch erschlossen, um sie Besucher:innen leichter zugänglich zu machen. Lesen Sie einen weinorientierten Rundgang zu Höhepunkten und Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt.

Der Rote Hang in Nierstein

Die Hänge der Niersteiner Glöck gelten laut einer Ballade des 19. Jahrhunderts als älteste Weinlage Deutschlands. Die weltbekannte Lage ist ein schönes Ausflugsziel zum Wandern und Radfahren.

Villa rustica und Kelter bei Bad Dürkheim

Antike schriftliche Zeugnisse über römischen Weinbau in der Pfalz gibt es nicht. Nachweisbar ist dieser aber durch archäologische Funde. So fand man 1981 bei Bad Dürkheim ein römisches Weingut mitsamt einer Kelteranlage.

Weinmajestäten

Die Tradition, eine Weinkönigin zu wählen, entstand in der Pfalz zu Beginn der 1930er Jahre. Das Amt wurde anschließend von den Nationalsozialisten zur Weinvermarktung genutzt. Seit der Nachkriegszeit ist die Weinkönigin gewählte Repräsentantin des deutschen Weines.

Ludwig Basserman-Jordan aus Deidesheim

Die Geschichte von Ludwig Bassermann-Jordan ist eng verbunden mit der Entwicklung des Weinverbands VDP.

Das Riesenfass in Bad Dürkheim

Das größte Weinfest und das größte Weinfass der Welt – der Wurstmarkt und das Riesenfass zu Bad Dürkheim als Wahrzeichen der Weinkultur.

Haus der Deutschen Weinstraße

Das bis heute bedeutende touristische Konzept der Deutschen Weinstraße, deren Ende das Haus der Deutschen Weinstraße markiert, fußt wesentlich auf dem Erbe nationalsozialistischer Weinbaupolitik.

Rhodter Rosengarten

Seit dem 19. Jahrhundert plagen Rebläuse sowie Echter und Falscher Mehltau den europäischen Weinbau. Dass die Reben des Rhodter Rosengartens über 400 Jahre alt sind, ist darum eine Seltenheit.

Die kleine Kalmit

Aus dem urzeitlichen Meer stammen Muschel– und Kalkablagerungen, die sich mit Mergel, Löß und Lehm mischen. Vor dem Pfälzer Wald formten sie den Hügel „Die Kleine Kalmit“. Sie liefert unverkennbaren Wein.

Das Deutsche Weintor

Die Weinwirtschaft erfuhr im Nationalsozialismus eine gezielte propagandistische Vereinnahmung. So wurden die Weinverbände „gleichgeschaltet“ und die „Deutsche Weinstraße“ mit dem „Deutschen Weintor“ als Konzepte der Weinvermarktung etabliert.

Der Domnapf in Speyer

Der Domnapf in Speyer gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt. Besonders dann, wenn die große steinerne Schale mit Wein gefüllt ist, ruft sie Erinnerungen an ihre historische Bedeutung und das Brauchtum hervor.

Kloster Disibodenberg

Das Kloster Disibodenberg - Erste Wirkungsstätte Hildegard von Bingens und uralte Weinbaugeschichte. 2008 kam es zum Sensationsfund von fünf Rebstöcken der Sorte Weißer Orleans.

Freilichtmuseum Bad Sobernheim

Im Freilichtmuseum Bad Sobernheim an der Nahe wird der Alltag vergangener Epochen lebendig. Das WeinKulturGut im Haus Enkirch widmet sich sämtlichen Aspekten der Weinwirtschaft.

Die Burg Landsberg bei Obermoschel

Historische Aufzeichnungen der zerstörten Burg Landsberg bei Obermoschel zeugen von Leben und Wirtschaftstätigkeit rund um den Weinbau.

Kloster Rupertsberg

Die Benediktinerin Hildegard von Bingen war sehr vertraut mit der Weinherstellung. Am meisten schätzte sie am Wein seine medizinische Anwendung bei verschiedenen Krankheiten.

Der Rotenfels bei Bad Münster

Der Rotenfels an der Nahe bei Bad Münster am Stein-Ebernburg ist die größte Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien. Aufgrund seiner vielfältigen Mineralböden stellt er ein einzigartiges Weinbau-Terroir dar.

Weingut der Vereinigten Hospitien

Unter Napoleons Herrschaft wurde den kirchlichen Pflegeeinrichtungen in Trier diverse Weingüter übereignet. Im Zuge der Säkularisation waren zuvor enteignet und verstaatlicht worden.

Die Weinhandelsstadt Traben-Trarbach

Traben-Trarbach war einst das größte deutsche Weinhandelszentrum: Um 1900 soll in Europa nur in Bordeaux mehr Wein verkauft worden sein.

Klöster und Stifte am Mittelrhein

Im Mittelalter suchten Mönche die Abgeschiedenheit und errichteten Klöster und Stifte fernab der Städte. Sie passten die Landschaft ihren Bedürfnissen an und legten dafür eigene Weingärten an.

Das Neumagener Weinschiff

Wein war ein wichtiger Teil der Rationen der römischen Legionen. Meist wurde er auf Gewässern zu den Truppen transportiert. Das Neumagener Weinschiff zeugt von der Bedeutung des Weinkonsums an der Mosel zu römischer Zeit.

Römische Kelteranlage in Piesport

Die Bedeutung des Weins für die römische Gesellschaft machte auch an der Mosel Weinbau nötig. Bis heute zeugen davon neben Ruinen von Kelteranlagen auch lateinische Relikte in der Winzersprache.

Die Moselschleife

Weintourismus kam im 20. Jahrhundert auf. Ein beliebtes Urlaubsziel ist die steilste Weinbergslage Europas. Weinregionen bieten Erlebnisse in Natur und Kultur – und erfreuen alle Sinne.

Bacharach

Die Stadt Bacharach stieg im Mittelalter ab dem 13. Jahrhundert zum wichtigsten Weinumschlagplatz am Mittelrhein auf und wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu einem Pilgerort der Rheinromantik.

Oberes Mittelrheintal

Bereits im Mittelalter war das Obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz ein bedeutendes Weinbaugebiet und zentrale Durchgangspassage des europäischen Weinhandels. Seit 2002 ist es UNESCO-Weltkulturerbe.

Preußische Weinbaudomäne

Als Rebläuse und Mehltau den Weinbau bedrohten, entwickelten die preußischen Weinbaudomänen im 19. Jahrhundert schädlingsresistente Reben und leiteten die örtlichen Winzer an, qualitativ hochwertigen Wein zu produzieren.

Genossenschaftsidee

Ab Ende der 1860er Jahre entstanden an der Ahr die ersten Winzergenossenschaften auf deutschem Boden. Einige sind noch heute erhalten.

Rotwein an der Ahr

Die Ahr ist das größte geschlossene Rotweinanbaugebiet Deutschlands. Seit Ende des 17. Jahrhunderts dominiert im Ahrtal der Anbau von Früh- und Spätburgundern mit über 80 Prozent der Rebflächen.

Die Genossenschaftsidee in der Weinwirtschaft am Beispiel der Ahr

Die Weinbauregion Ahr ist bis heute Heimat der ältesten noch bestehenden Winzergenossenschaften Deutschlands und somit eine Pionierregion des weinwirtschaftlichen Genossenschaftswesens.[1] Das Zeitalter der modernen Genossenschaften – nach dem Prinzip der Selbsthilfe in wirtschaftlichen Notlagen – begann mit der Gewerbefreiheit und der Auflösung der Zünfte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.[2] Wichtige Pioniere waren dabei u. a. Hermann Schulze-Delitzsch, Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Wilhelm Haas, die auch die rechtliche Verankerung dieses Modells mit dem preußischen Genossenschaftsgesetz von 1867 vorantrieben.[3] Genossenschaftsähnliche Vorläuferverbände hatten sich im Weinbau bereits zwischen 1820 und 1860 in Baden, Württemberg sowie an der Mosel gebildet.[4]

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Situation der deutschen Weinwirtschaft zu einer anhaltenden Krise. Zunehmende Missernten durch Reblausbefall sowie ein enormer Preisverfall durch Weinüberproduktion und vermehrte Einfuhr ausländischer Weine ließen viele Winzer in die Armut abrutschen.[5] An der Ahr verschärfte sich jene Krise ab den 1860er Jahren: In Mayschoß gründete sich daher Ende 1868 die erste und heute älteste noch bestehende Winzergenossenschaft Deutschlands als Weinvertriebsgemeinschaft, mit anfangs nur etwa 20 Mitgliedern. Heute heißt sie „Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr e. G.“ und hat rund 450 Mitglieder mit etwa 150 Hektar Rebfläche.[6]

Ab 1873/74 wurde u. a. das noch existierende Genossenschaftshaus inklusive eines eigenen Lagerkellers errichtet. Die Vereinigung war somit auch zu einer Produktionsgemeinschaft geworden, einschließlich einer gemeinsamen Preisfestlegungspolitik sowie Vollablieferungspflicht aller Mitglieder.[7] Etwa 22 Winzergenossenschaften entstanden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in zahlreichen Gemeinden an der Ahr, so z. B. in Walporzheim 1871 oder Altenahr 1878.[8] 1905 wurde überdies die „Geschäftsstelle der vereinigten Winzergenossenschaften des Ahr- und Rheintales GmbH“, die sog. „Rotweinzentrale“, als Zentralstelle gegründet. Nach 1918 wurde sie aber bereits wieder liquidiert.[9]

In den anderen deutschen Weinbaugebieten wie z. B. an der Mosel oder am Mittelrhein fand die Genossenschaftsidee zunächst kaum Nachahmer – vereinzelte Gründungen verschwanden zumeist schnell wieder.[10] Erst aufgrund der Wirtschaftskrisen der 1920er Jahre infolge des Ersten Weltkrieges wurde das Genossenschaftsmodell zur Bekämpfung der „Winzernot“ in der Zwischenkriegszeit wieder attraktiv: Vor allem in der Pfalz sowie in Baden und Württemberg kam es zu zahlreichen Genossenschaftsgründungen. 1932 wurde mit der „Vermittlungsstelle deutscher Winzergenossenschaftsvereine“ eine Zentralstelle zur Koordinierung weinwirtschaftlicher Maßnahmen geschaffen, die als „Deutsche Genossenschafts-Wein eG“ bis heute fortbesteht.[11]

Die Nationalsozialisten unterstellten die Winzergenossenschaften dem Reichsnährstand Reichsnährstand und der NS-Lenkungswirtschaft „Deutsches Weintor“, lösten sie allerdings nicht auf – ihre Zahl stieg sogar bis 1939 auf etwa 500 an.[12] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Winzergenossenschaften durch zahlreiche Fusionen und die Bildung großer Gebietswinzergenossenschaften verdrängt. Neben Baden und Württemberg ist die Ahr heute jedoch weiterhin Kerngebiet der Winzergenossenschaften. Etwa 90 Prozent der Ahrwinzer sind in den 3 noch bestehenden Genossenschaften organisiert – rund 65 Prozent der Ahrweinernte wird durch sie vermarktet.[13]

  1. [1] Böll, Karl-Peter: Die Entwicklung der Ahr zum Rotweinanbaugebiet, in: Gesellschaft für Geschichte des Weines (Hg.): Variatio Delectat II. Wiesbaden 1983 (Schriften zur Weingeschichte 67), S. 39–48, hier S. 40; Broicher, Kurt: Geschichte und Bodenkultur, in: Broicher, Kurt [u. a.] (Hg.): Heimatchronik des Kreises Ahrweiler. Köln 1969 (Heimatchroniken der Städte und Kreise des Bundesgebietes 35), S. 302–346, hier S. 326. Vgl. auch weiterführend deutsche-winzergenossenschaften.de, archivierter Link (Aufruf am 02.12.2021).
  2. [2] Aschhoff, Gunther/ Henningsen, Eckart: Das deutsche Genossenschaftswesen. Entwicklung, Struktur, wirtschaftliches Potential. 2. Aufl. Frankfurt am Main 1995 (Veröffentlichungen der DG BANK Deutsche Genossenschaftsbank 15), S. 18–21.
  3. [3] Ebd., S. 18–21, 23–24, 98, weiterführend S. 27–41.
  4. [4] Aschhoff 1995, S. 98; Rausch, Jakob: Die Geschichte des Weinbaus an der Ahr. Vortrag auf der Veranstaltung der Gesellschaft für Geschichte des Weines am 27. April 1963 in Bad Neuenahr. Wiesbaden 1963 (Schriften zur Weingeschichte 10), S. 8.
  5. [5] Böll 1983, S. 40–41; Broicher 1969, S. 325; Deckers, Daniel: Aus der Not geboren. Die Winzergenossenschaften sind eine besondere Farbe innerhalb der Genossenschaften. Ihre Geschichte spiegelt auch den Lauf politischer Entwicklungen, in: Rotary Magazin (2018), S. 54–55, hier S. 54; Kremer, Bruno/ Kaspers, Norbert: Das Ahrtal. Neuss 1982 (Rheinische Landschaften 23), S. 29–30; Rausch 1963, S. 7–8; Wendling, Wilhelm: Sozialbrache und Flurwüstung in der Weinbaulandschaft des Ahrtals. Bad Godesberg 1966 (Forschungen zur deutschen Landeskunde 160), S. 34–36; Wessel, Karl: Die deutschen Winzergenossenschaften. Organisations- und Arbeitsprobleme. Leistungen und Zukunftsaufgaben. Karlsruhe1959 (Vorträge und Aufsätze des Instituts für Genossenschaftswesen an der Universität Münster 9), S. 10.
  6. [6] Aschhoff 1995, S. 98; Böll 1983, S. 40; Broicher 1969, S. 325–326; Kremer/ Kaspers 1982, S. 30; Rausch 1963, S. 8; Wendling 1966, S. 35; Wessel 1959, S. 10. Vgl. auch wt-mayschoss.de (Aufruf am 04.12.2021).
  7. [7] Aschhoff 1995, S. 99; Broicher 1969, S. 326–327; Deckers 2018, S. 55.
  8. [8] Böll 1983, S. 40–41, 47; Broicher 1969, S. 326–328; Kremer/ Kaspers 1982, S. 30; Rausch 1963, S. 7–8; Wendling 1966, S. 35.
  9. [9] Broicher 1969, S. 328.
  10. [10] Deckers 2018, S. 54.
  11. [11] Aschhoff 1995, S. 99–100; Deckers 2018, S. 54–55; Wessel 1959, S. 10.
  12. [12] Aschhoff 1995, S. 37; Deckers 2018, S. 54–55.
  13. [13] Böll 1983, S. 47; Deckers 2018, S. 55; Rausch 1963, S. 8. Vgl. weiterführend Wessel 1959.