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Das Neumagener Weinschiff

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ATLAS
DER
WEINKULTUR

Burg Trifels im Pfälzerwald

Mit dem Untergang des Römischen Reiches brach die Land- und Wirtschaftsordnung in den germanischen Provinzen zusammen. Es folgte die Lehnsherrschaft, die den Winzer:innen Abhängigkeit und hohe Abgaben aufzwang.

Schloss Saarfels

Seit 100 Jahren erhebt sich mit Schloss Saarfels ein mittelalterlich anmutendes Winzerschloss über der Saar und erzählt von Optimismus und Selbstbewusstsein des deutschen Winzer- und Bürgertums.

Weinbau an der Lahn

Im Mittelalter war das Lahntal ein bedeutendes Weinanbaugebiet. Seit dem 17. Jahrhundert ging der Weinbau zurück und wird heute nur noch in wenigen Ortschaften betrieben.

Wein in Musik und Poesie

Der Wein und sein Genuss sind seit der Antike beliebte Motive in Musik und Dichtung. Sie finden sich sowohl in einfachsten Trinkliedern als auch in literarischen Werken von Ausonius und Goethe.

Das steinerne Fass der Festung Rheinfels

Um die Garnison der Festung Rheinfels mit Wein zu versorgen, griff Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel zu einer ungewöhnlichen Methode: Ein „steinernes Fass“ sollte sämtliche Weinvorräte fassen können.

Geschichte der Gebinde

Die Verpackung des Weins war im Laufe der Zeit vielen Entwicklungen unterworfen. Allerdings kennzeichnet die Geschichte der sogenannten Gebinde auch eine bemerkenswerte Kontinuität.

Frömmigkeit im Weinberg

Seit der Antike drückten die Winzer:innen ihren Wunsch nach günstiger Ernte in der Anrufung von Gottheiten und Wetterpatron:innen aus.

Die SchUM-Städte und der Wein

Die SchUM-Städte sind seit ihrer Gründung eng mit dem Wein verbunden. Im Mittelalter war der koschere Wein aus Worms weltberühmt; in der Neuzeit prägten jüdische Händler:innen den Mainzer Weinhandel.

Die Hessische Weinbaudomäne

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1868–1937) war der Vater der Hessischen Weinbaudomäne. Seine Absicht war, die Qualität des Weins zu verbessern und einen Musterbetrieb zu schaffen, der den örtlichen Winzern dient.

Die Kupferbergterrasse in Mainz

Die Mainzer Kupferbergkellerei zählt zu den ältesten Schaumweinproduzenten des Landes. Zuvor war es deutschen Einwanderern in der Champagne gelungen, die Herstellung weiterzuentwickeln und einen umfassenden Vertrieb aufzubauen.

Die Kaiserpfalz in Ingelheim

Karl der Große gilt nicht nur als Erneuerer des römischen Kaisertums, als gnadenloser Eroberer sowie Förderer von Bildung und Künsten. Er war sogar der Vater des Weinbaus! Dass Karl I. die Straußwirtschaft erfunden hat, ist jedoch unwahrscheinlich.

Das Deutsche Weinbaumuseum

Das Deutsche Weinbaumuseum in Oppenheim beherbergt eine einzigartige Sammlung zur technischen Entwicklung des Weinbaus und der Weinerzeugung.

Die Liebfrauenmilch aus Worms

Liebfrauenmilch bezeichnete ursprünglich einen hochwertigen Wein aus dem Weingarten der namensgebenden Kirche in Worms. Später entwickelte sich daraus ein allgemeiner Marketing-Begriff für süße Weißweine aus verschiedenen Regionen.

Guntersblumer Kellerweg

Der Kellerweg in Guntersblum zeugt von der einstigen Bedeutung, die Weinkeller in der Region besaßen. Die markanten Keller verweisen auf mehrere historische Weinberufe wie den des Schröters, Visierers oder Küfers.

Weinkultur in Mainz

Die lebhafte Mainzer Weinkultur wurde touristisch erschlossen, um sie Besucher:innen leichter zugänglich zu machen. Lesen Sie einen weinorientierten Rundgang zu Höhepunkten und Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt.

Die Niersteiner Glöck

Die Hänge der Niersteiner Glöck gelten laut einer Ballade des 19. Jahrhunderts als älteste Weinlage Deutschlands. Die weltbekannte Lage ist ein schönes Ausflugsziel zum Wandern und Radfahren.

Villa rustica und Kelter bei Bad Dürkheim

Antike schriftliche Zeugnisse über römischen Weinbau in der Pfalz gibt es nicht. Nachweisbar ist dieser aber durch archäologische Funde. So fand man 1981 bei Bad Dürkheim ein römisches Weingut mitsamt einer Kelteranlage.

Weinmajestäten

Die Tradition, eine Weinkönigin zu wählen, entstand in der Pfalz zu Beginn der 1930er Jahre. Das Amt wurde anschließend von den Nationalsozialisten zur Weinvermarktung genutzt. Seit der Nachkriegszeit ist die Weinkönigin gewählte Repräsentantin des deutschen Weines.

Das Riesenfass in Bad Dürkheim

Das größte Weinfest und das größte Weinfass der Welt – der Wurstmarkt und das Riesenfass zu Bad Dürkheim als Wahrzeichen der Weinkultur.

Haus der Deutschen Weinstraße

Das bis heute bedeutende touristische Konzept der Deutschen Weinstraße, deren Ende das Haus der Deutschen Weinstraße markiert, fußt wesentlich auf dem Erbe nationalsozialistischer Weinbaupolitik.

Rhodter Rosengarten

Seit dem 19. Jahrhundert plagen Rebläuse sowie Echter und Falscher Mehltau den europäischen Weinbau. Dass die Reben des Rhodter Rosengartens über 400 Jahre alt sind, ist darum eine Seltenheit.

Die kleine Kalmit

Aus dem urzeitlichen Meer stammen Muschel– und Kalkablagerungen, die sich mit Mergel, Löß und Lehm mischen. Vor dem Pfälzer Wald formten sie den Hügel „Die Kleine Kalmit“. Sie liefert unverkennbaren Wein.

Das Deutsche Weintor

Die Weinwirtschaft erfuhr im Nationalsozialismus eine gezielte propagandistische Vereinnahmung. So wurden die Weinverbände „gleichgeschaltet“ und die „Deutsche Weinstraße“ mit dem „Deutschen Weintor“ als Konzepte der Weinvermarktung etabliert.

Der Domnapf in Speyer

Der Domnapf in Speyer gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt. Besonders dann, wenn die große steinerne Schale mit Wein gefüllt ist, ruft sie Erinnerungen an ihre historische Bedeutung und das Brauchtum hervor.

Kloster Disibodenberg

Das Kloster Disibodenberg - Erste Wirkungsstätte Hildegard von Bingens und uralte Weinbaugeschichte. 2008 kam es zum Sensationsfund von fünf Rebstöcken der Sorte Weißer Orleans.

Freilichtmuseum Bad Sobernheim

Im Freilichtmuseum Bad Sobernheim an der Nahe wird der Alltag vergangener Epochen lebendig. Das WeinKulturGut im Haus Enkirch widmet sich sämtlichen Aspekten der Weinwirtschaft.

Die Burg Landsberg bei Obermoschel

Historische Aufzeichnungen der zerstörten Burg Landsberg bei Obermoschel zeugen von Leben und Wirtschaftstätigkeit rund um den Weinbau.

Kloster Rupertsberg

Die Benediktinerin Hildegard von Bingen war sehr vertraut mit der Weinherstellung. Am meisten schätzte sie am Wein seine medizinische Anwendung bei verschiedenen Krankheiten.

Der Rotenfels bei Bad Münster

Der Rotenfels an der Nahe bei Bad Münster am Stein-Ebernburg ist die größte Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien. Aufgrund seiner vielfältigen Mineralböden stellt er ein einzigartiges Weinbau-Terroir dar.

Weingut der Vereinigten Hospitien

Unter Napoleons Herrschaft wurde den kirchlichen Pflegeeinrichtungen in Trier diverse Weingüter übereignet. Im Zuge der Säkularisation waren sie zuvor enteignet und verstaatlicht worden.

Die Weinhandelsstadt Traben-Trarbach

Traben-Trarbach war einst das größte deutsche Weinhandelszentrum: Um 1900 soll in Europa nur in Bordeaux mehr Wein verkauft worden sein.

Klöster und Stifte am Mittelrhein

Im Mittelalter suchten Mönche die Abgeschiedenheit und errichteten Klöster und Stifte fernab der Städte. Sie passten die Landschaft ihren Bedürfnissen an und legten dafür eigene Weingärten an.

Das Neumagener Weinschiff

Wein war ein wichtiger Teil der Rationen der römischen Legionen. Meist wurde er auf Gewässern zu den Truppen transportiert. Das Neumagener Weinschiff zeugt von der Bedeutung des Weinkonsums an der Mosel zu römischer Zeit.

Römische Kelteranlage in Piesport

Die Bedeutung des Weins für die römische Gesellschaft machte auch an der Mosel Weinbau nötig. Bis heute zeugen davon neben Ruinen von Kelteranlagen auch lateinische Relikte in der Winzersprache.

Die Moselschleife

Weintourismus kam im 20. Jahrhundert auf. Ein beliebtes Urlaubsziel ist die steilste Weinbergslage Europas. Weinregionen bieten Erlebnisse in Natur und Kultur – und erfreuen alle Sinne.

Bacharach

Die Stadt Bacharach stieg im Mittelalter ab dem 13. Jahrhundert zum wichtigsten Weinumschlagplatz am Mittelrhein auf und wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu einem Pilgerort der Rheinromantik.

Oberes Mittelrheintal

Bereits im Mittelalter war das Obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz ein bedeutendes Weinbaugebiet und zentrale Durchgangspassage des europäischen Weinhandels. Seit 2002 ist es UNESCO-Weltkulturerbe.

Preußische Weinbaudomäne

Als Rebläuse und Mehltau den Weinbau bedrohten, entwickelten die preußischen Weinbaudomänen im 19. Jahrhundert schädlingsresistente Reben und leiteten die örtlichen Winzer an, qualitativ hochwertigen Wein zu produzieren.

Genossenschaftsidee

Ab Ende der 1860er Jahre entstanden an der Ahr die ersten Winzergenossenschaften auf deutschem Boden. Einige sind noch heute erhalten.

Rotwein an der Ahr

Die Ahr ist das größte geschlossene Rotweinanbaugebiet Deutschlands. Seit Ende des 17. Jahrhunderts dominiert im Ahrtal der Anbau von Früh- und Spätburgundern mit über 80 Prozent der Rebflächen.

Wein für die Legionen

Unter der römischen Herrschaft setzte zum Ende des 3. Jahrhunderts die erste Blütezeit des Weinbaus an der Mosel ein. Einer der wichtigsten Faktoren für diese Entwicklung waren die in der Umgebung stationierten römischen Legionen. Diese waren im römischen Reich das zentrale Mittel, um sich gegenüber den benachbarten Völkern zu behaupten: Zehntausende Legionäre kämpften für Rom im parthischen Hochland, im wilden Britannien oder in den unwegsamen Gebieten der Region, die die Römer:innen Germania nannten. Mit roher Gewalt allein ließen sich militärische Siege jedoch kaum erringen, vielmehr war die Sicherstellung des Nachschubs entscheidend für langfristigen Erfolg: Neben Wasser und Getreide mussten auch große Mengen Wein transportiert werden, denn jedem Soldaten stand abhängig vom militärischen Rang bis zu ein sextarius (etwa ein halber Liter) pro Tag zu.[1] Dabei stand möglicherweise weniger der Genuss im Vordergrund als vielmehr der Nährstoffreichtum des Weins, seine Haltbarkeit und seine vorbeugende Wirkung gegenüber Krankheiten wie der Skorbut.[2]

Der Legionstross aus tausenden Lasttieren und jeder Legionär für sich konnten nur Rationen für wenige Wochen mit sich führen.[3] Deshalb mussten für längere Unternehmungen auch in die entlegensten Gebiete funktionierende Nachschubwege angelegt werden. Zentral war dafür die Flotte, denn immer wenn möglich wählten die Römer:innen den Transport zu Wasser.[4] Ein einziges Schiff konnte mehrere Tonnen Fracht befördern und dutzende Kilometer am Tag zurücklegen.[5]

Gerade im militärischen Kontext zeigten sich jedoch die Grenzen des Wassertransports: Man war auf schiffbare Gewässer angewiesen und konnte deshalb den Truppen nicht immer folgen.[6] Deshalb musste der letzte Teil des Versorgungswegs per Land erfolgen. Dafür richteten die Römer:innen ein komplexes System aus Großlagern (horreum) und kleineren Depots ein, zwischen denen Konvois aus Maultieren und Ochsenkarren pendelten und so feste Nachschubrouten etablierten. Diese blieben jedoch eng an die Wasserstraßen als Lebensadern gebunden.[7]

Dass die Mosel eine solche Lebensader für den Weintransport war, bezeugen die 4 Figuren von Weinschiffen, die in der Festung der römischen Handelsstadt Noviomagus Treverorum (heute: Neumagen-Dhron) gefunden wurden. Diese Monumente, die wohl zum Grabmal eines Trierer Weinhändlers gehörten,[8] zeigen außerdem eine Besonderheit des Weintransports auf der Mosel: Statt der im Mittelmeerraum üblichen Amphoren übernahmen die Römer:innen hier die keltischen Holzfässer, die bei guter Transportfähigkeit wesentlich mehr Wein fassen und den Weinbedarf der Armee so leichter decken konnten.[9]

Versorgung der römischen Truppen

Zunächst aber stammte der Wein, mit dem die Garnisonen am Rhein in der Frühzeit der römischen Besatzung versorgt wurden, nicht von der Mosel, sondern aus dem Mittelmeerraum. Mangels direkter Verbindung musste er also umständlich per Rhône und Saône durch Gallien bis zur Mosel verschifft werden. Ob ein zum Ende des 3. Jahrhunderts durch Kaiser Probus aufgehobenes Weinbauverbot in den Provinzen sich auf den nordalpinen Raum bezog und damit den Ausschlag für den Beginn des lokalen Weinbaus gab, ist in der Forschung umstritten.[10] In jedem Fall entstanden zu dieser Zeit große Rebflächen an den Hängen der Mosel, die eine stärkere Selbstversorgung des lokalen Militärs und der Residenzstadt Trier ermöglichten.[11]  Das wird auch an den Neumagener Weinschiffen sichtbar: Sie bilden jeweils ein zum Warentransport umgerüstetes Kriegsschiff ab.[12]

Insgesamt also ist es unter anderem auch der römischen Armee und ihrem enormen Weinbedarf zu verdanken, dass die Römer:innen den Grundstein für einen umfangreichen Moselweinbau legten und heute, mehr als 2000 Jahre nach Beginn der römischen Herrschaft, immer noch die Rebstöcke das Landschaftsbild des Moseltals maßgeblich prägen. 

Urheberschaft

Autor: Christian Belzer
Redaktion: Simeon Guthier
Stand: 22.12.2021

  1. [1] Roth, Jonathan: The logistics of the Roman Army at war (264 B.C. – A.D. 235). Leiden u.a. 1999 (Columcia Studies in the Classical Tradition, Bd. 23), S. 39 f.
  2. [2] Roth, logistics, S. 37.
  3. [3] Roth geht von 17 Tagesrationen pro Legionär plus 18 weiteren im Tross aus, Roth, logistics, S. 75-78. Der Schätzung Herz‘ zufolge lag der Bedarf an Last-, Zug und Reittieren für eine Streitmacht von vier Legionen bei 18500 Tieren: Herz, Peter: Die Logistik der kaiserzeitlichen Armee. Strukturelle Überlegungen. In: The Roman Army and the Economy. Hrsg. v. Paul Erdkamp. Amsterdam 2002, S. 19-46, hier S. 33 f.
  4. [4] Roth, logistics, S. 189 f.
  5. [5] Roth, logistics, S. 192-195. Roth geht von einer Nutzlast von 30 bis 40 Tonnen pro Schiff aus, wobei es auch Schiffe gab, die mehr als 900 Tonnen befördern konnten. Erreicht wurden Geschwindigkeiten von bis zu 11 km/h. Zimmer dagegen meint, dass die gängigen Güterschiffe auf der Mosel kaum 10 Tonnen Nutzlast erreichten: Zimmer, Karl-Heinz: Antike Schifffahrt. In: 2000 Jahre Schifffahrt auf der Mosel. Vom römischen Transportweg zum einenden Band Europas. Hrsg. v. Bernd Röder / Bärbel Schulte / Karl-Heinz Zimmer. Trier 2014, S. 21-24, hier S. 22.
  6. [6] Roth, logistics, S. 199 f.
  7. [7] Roth, logistics, S. 187-189.
  8. [8] Konen, Heinrich: Die ökonomische Bedeutung der Provinzialflotten während der Zeit des Principates. In: The Roman Army and the Economy. Hrsg. v. Paul Erdkamp. Amsterdam 2002, S. 309-342, hier S. 329 f; Unruh, Frank: Trier. Biographie einer römischen Stadt. Darmstadt 2017, S. 80.
  9. [9] Weeber, Karl-Wilhelm: Die Weinkultur der Römer. Düsseldorf/Zürich 1999, S. 29.
  10. [10] Jung, Patrick / König, Margarethe: Zur Frage des römischen Weinbaus in Rheinhessen. Wiesbaden 2010; Zimmer, Antike Schifffahrt, S. 22.
  11. [11] Gilles, Karl Josef: Römischer Weinbau an Mosel und Rhein. In: „Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens“. Aspekte des Kulturguts Wein. Hrsg. v. Decker, Heinz / König, Helmut / Zwickel, Wolfgang. Mainz 2015, S. 54-67, hier S. 64.
  12. [12] Konen, Provinzialflotten, S. 329 f.